Die Schulreform in Hamburg

Verbesserte Lernbedingungen, gerechtere Bildung für alle?

09.03.2010 Anke Fienbork

Überlegungen zur Schulreform, die das Ziel anstrebt, die Lernbedingungen im Unterricht zu verbessern und Bildung für alle Schüler gerechter werden zu lassen.

Seit dem 24. Februar 2008 wird in Hamburg die Regierung aus der CDU und der GAL gebildet. Knapp zwei Jahre nach der letzten Wahl wird über das Thema Schulpolitik, und die damit verbundene Einführung der sechsjährigen Primarschule immer noch hitzig diskutiert. Die Hauptschule ist mittlerweile abgeschafft worden, stattdessen lernen Hauptschüler gemeinsam mit Realschülern.

Das nachgebesserte Schulgesetz

Ziel ist es, laut der Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL), dass in Zukunft in Hamburg stufenweise bis zum Jahr 2012 nur noch drei Schulformen existieren: die sechsjährige Primarschule, die Stadtteilschule und das Gymnasium. Für die Volksinitiative „Wir wollen lernen“ sind die Beibehaltung von weiterführenden Schulen ab der fünften Klasse, insbesondere des Gymnasiums, die Erhaltung des Elternwahlrechts und die individuelle Förderung des einzelnen Schülers einige der wichtigsten Punkte.

Am 3. März 2010 wurde in einer Sondersitzung der Hamburgischen Bürgerschaft das bevorstehende Schulgesetz nachgebessert. Zum einen ist das Büchergeld für die Primarschulen wieder abgeschafft worden, das Elternwahlrecht bleibt erhalten und die Klassen sollen die maximale Schüleranzahl von 23 nicht überschreiten. Die Initiative gibt sich noch nicht mit den nachgebesserten Punkten zufrieden, und wenn die Fronten bis zum Sommer verhärtet bleiben, findet der Volksentscheid statt.

Weitere Überlegungen zur Schulreform

Jeder Schüler solle durch die beschriebene Schulform die gleichen Chancen bekommen. Die Möglichkeit für jeden, sein Abitur machen zu können, solle erhöht werden. Aber wertet man damit nicht auch alle anderen Abschlüsse ab, wenn der Fokus so stark auf das Abitur gerichtet wird? Für viele Berufe ist das Abitur zumindest nicht notwendig. Sinnvoller als der allgemeine Ruf nach dem Abitur wäre doch, dass schwächere Schüler aufgrund der Aussicht auf einen Arbeitsplatz motiviert würden.

Es ist fraglich, ob die Motivation von schwächeren Schülern dadurch erhöht wird, dass sie mit stärkeren zusammen lernen. Ist es nicht sinnvoller, wenn ihre Bemühungen Früchte tragen? Die Rahmenbedingen der Schulen kann man ständig verändern, damit wird das Problem der drohenden Arbeitslosigkeit von schwachen Schülern aber noch lange nicht gelöst.

Die Abschaffung des Büchergeldes und die Verkleinerung der Klassen stößt bei der Allgemeinheit auf Zustimmung. Allerdings lässt sich auch anmerken, dass es sich für Lehrer äußerst schwierig gestaltet „nur“ 19 Schüler zu unterrichten, von denen vielleicht zehn motiviert sind. Mit dem vereinbarten Elternwahlrecht geben sich viele Kritiker noch nicht zufrieden. Die Eltern können nach sechsjähriger Primarschule weiterhin bestimmen, ob ihr Kind auf eine Stadtteilschule oder auf das Gymnasium wechselt.

Verspieltes Elternwahlrecht?

Schon nach einem Jahr, also nach Abschluss der siebten Klasse, entscheidet die jeweilige Schule über den Verbleib des Kindes. Die Kritiker merken hier an, dass der Zeitpunkt nicht gut gewählt sei. Erstens befinden sich die Schüler zu diesem Zeitpunkt in der Pupertät, die Schule habe für sie zu dieser Zeit nicht so einen hohen Stellenwert. Zum anderen sei es fraglich, ob sich schon nach einem Jahr der eigentliche Leistungsstand des Kindes ermitteln lässt. Es wäre allen Schülern, Eltern und Lehrern zu wünschen, dass in naher Zukunft eine bleibende Schulform gefunden wird.

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